Der Mensch ist ein Wesen, das mit Imagination begabt ist. Jetzt stellt es sich die Frage, ob er sie benutzt oder ob er deren Kraft bewusst ist. Die Kraft der Vorstellung liegt darin, dass man die Welt komplett anders gestalten kann. Die Romantiker haben darauf bestanden, dass die Imagination zur richtigen Erkenntnis sowohl der äußeren Welt als auch des Individuums führen kann. Dass sich Gott in dem Individuum durch das Freilassen seiner Imagination verwirklicht, ist ein fundamentaler Glaube der Romantiker. Das ist möglich, indem das Individuum in sein Inneres sinkt. Die Antworten auf alle Fragen findet man nicht außerhalb, sondern innerhalb der menschlichen Sphäre.

Imagination vs. Verstand

Im Hinblick darauf sind Thomas Coleridge und William Wordsworth, zwei wichtige Vertreter der englischen Romantik, der Auffassung, dass nicht der Verstand, sondern die Einbildungskraft den Menschen definiert. Im Gegensatz dazu betrachten die Aufklärer den Verstand als die Quintessenz der Existenz des Menschen.

Darüber hinaus transzendiert das Individuum durch den Gebrauch seiner Imagination die materielle Welt. Das ist eigentlich das Ziel des Menschen für die Romantiker. Das antonymische Paar materiell-immateriell ist überall in der romantischen Literatur zu treffen. Folgerichtig hat man Zugang zu seinem wahren Ich, indem man seine Imagination in Gang setzt. Ein ganzes Universum befindet sich in seinem Inneren und nicht in der Welt, die leicht wahrzunehmen ist. Zum seelischen Ausgleich gelangt man durch das Hineinsinken in sein Bewusstsein.

Eines muss spezifiziert werden. Die Imagination kennt keine Grenzen. Sie beflügelt einen, die materielle Grenze zu überschreiten. Das hat zur Folge, dass das Individuum einem kontinuierlichen Prozess des Werdens unterworfen wird. Im Zusammenhang damit verändert sich ständig seine Wahrnehmung der Welt. Die Einbildungskraft belebt alles um uns herum.

Allerdings finde ich sehr wichtig, dass man den Kontakt mit der Realität nicht verliert. Ein einschlägiges Beispiel ist Don Quixote, der die fantastische Welt der Träume für Realität hält. So besteht ein enges Verhältnis zwischen Imagination und Handeln.