Dass Bücher für viele von uns etwas anderes bedeuten, ist es nicht von der Hand zu

weisen. Leseerfahrungen gestalten und konturieren unsere Weltanschauung. Je mehr gelesene Bücher, desto mehr und unterschiedliche Weltanschauungen. Es ist sehr wichtig für unsere intellektuelle Bildung, alle literarischen Genres zu lesen, von Märchen bis zu Romanen. Das lässt sich dadurch erklären, dass der Leser neue literarische Strukturen, neue Themen und Motive entdecken kann. Ein Märchen ähnelt einem dramatischen Stück gar nicht. Die Unterschiede finden sich nicht nur auf der thematischen Ebene, sondern auch auf der literarischen Konstruktion des Werkes.

Lesen als Zufluchtsort

Als Kind habe ich in den Büchern einen Freund gefunden. Immer wenn ich traurig war, nahm ich ein Buch in die Hand und begann zu lesen. Ich vergaß so schnell meine Probleme. Ich bin mir sicher, dass viele von Ihnen bereits in einem Buch einen Zufluchtsort gefunden haben. Die Geschichten in den Büchern ermöglichten Ihnen imaginäre Erfahrungen, die Sie aus einem farblosen und langweiligen Alltag rissen. So begann Ihre Imagination, an Konturen zu gewinnen. Die Figuren schienen so real zu sein, dass Sie sich sogar mit ihnen identifizieren konnten. Die fantastische war eine perfekte Welt, in der Sie gerne leben wollten. Die Tatsache, dass man die Erfahrungen der Figuren imaginär erleben kann, kann sehr glücklich manchen. Was ich damit zeigen will, ist, dass jeder solche Leseerfahrungen gemacht hat.

Sie haben einen großen Einfluss auf uns gehabt. Die Freiheit zu träumen ist eine dieser Auswirkungen. Die Überzeugung, dass wir alles verwirklichen können, danken wir dem Lesen, das unsere Einbildungskraft anspornt. Sogar das Unmögliche scheint uns nicht mehr unmöglich zu sein. Das würde ich als naiven Mut bezeichnen, der einem hilft, Risiken einzugehen, ohne über die Konsequenzen zu grübeln. Das Grübeln kann manchmal zur Angst führen, die die Verwirklichkung der Träume verhindern kann.

Demzufolge sollen wir nie Angst haben, zu träumen.